Aufnahme- und Beobachtungsstufen Konzept

1. Personenkreis


Die Aufnahme - und Beobachtungsstufe der Schule mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung, fortlaufend A- und B- Stufe genannt, übernimmt die Aufgaben einer Vorklasse. Der einjährige Besuch wird nicht auf die Schulpflicht angerechnet.

Aufgenommen werden Kinder mit Anspruch auf sonderpädagogische Förderung, bei denen zu Beginn ihrer Schulpflicht unklar ist, welcher Förderort (welche Schulform) entsprechend ihren individuellen Fähigkeiten und Beeinträchtigungen angemessenen Unterricht bieten kann.


Beispiele:

  • Kinder, deren Ergebnis bei Messungen des Intelligenzquotienten (IQ) im Überschneidungsbereich zwischen dem Förderschwerpunkt Lernen und dem Förderschwerpunkt geistiger Entwicklung liegt.
  • Kinder mit Mehrfachbeeinträchtigungen, bei denen die Fragestellung nach der Dominanz der Beeinträchtigung zu klären ist, um den entsprechenden Förderbedarf und Förderort festzustellen.
  • Kinder mit erheblichen Aufmerksamkeitsstörungen und Störungen des Sozialverhaltens, die einen längeren Zeitrahmen für eine Förder- und Begleitdiagnose und zum Aufbau einer verbesserten Arbeitshaltung benötigen.
  • Kinder mit Anspruch auf sonderpädagogische Förderung, die bis zum 30. Juni des Jahres das vierte Lebensjahr vollenden und zu erwarten ist, dass sich die früh einsetzende sonderpädagogische Förderung auf ihre Entwicklung günstig auswirkt.

2. Arbeitsweise und Organisation


Die A- u. B-Stufe bietet in ihrem Unterricht die Verbindung von sonderpädagogischer Förderung und sozialpädagogischen Lern- und Arbeitsformen in allen wichtigen Entwicklungsbereichen.

Der Unterricht – 33 Schülerwochenstunden – wird in kleinen Klassen (vier bis acht Schülerinnen und Schüler), in Teilgruppen oder in Einzelförderung durchgeführt. Er soll anknüpfen an die Persönlichkeitsstruktur des Kindes, seine Kompetenzen und Beeinträchtigungen sowie die individuellen Bedürfnisse.

 

Der Unterricht dient:

  • der Gewinnung von Erkenntnissen durch Beobachtungen und Hilfen beim Einleben in die neue Schulsituation (Lerngegenstände, Fähigkeiten, Emotionen, Verhalten, Umfeldanalyse
  • der Erstellung eines individuellen Förderplans (Lernziele, Fördermaßnahmen, therapeutische Zuständigkeiten, Förderkontrakt mit Eltern und Therapeuten schließen)
  • der Durchführung von Fördermaßnahmen in der Gruppe mit Blick auf Differenzierungen als individuelle Angebote am gemeinsamen Lerngegenstand
  • darüber hinaus speziellen Maßnahmen als Einzelförderung für das Kind
  • einer ganzheitlichen Sichtweise der Förderung. Sie umfasst nicht nur die Diagnose, sondern auch daraus resultierend eine entsprechende Umsetzung der Fördermaßnahmen sowie die Einbeziehung einer Umfeldanalyse und gegebenenfalls regelmäßige Kontakte zur Schule mit Förderschwerpunkt Lernen.
  • der Gewinnung von Erkenntnissen durch Beobachtungen und Hilfen beim Einleben in die neue Schulsituation (Lerngegenstände, Fähigkeiten, Emotionen, Verhalten, Umfeldanalyse)
  • der Prozessdiagnose (Lehrbericht, Überprüfung des konkreten Förderhandelns und der Feinplanung).


Es folgt nach zirka einem Dreivierteljahr:

  • die Überprüfung des Entwicklungsverlaufs (Lernstand und Befindlichkeit)
  • eine erneute Analyse lernrelevanter Bedingungen
  • Aktualisierung des Anspruchs auf sonderpädagogische Förderung (Förderschwerpunkt)
  • eine Empfehlung zum Förderort (zur adäquaten Schulform)

Unsere Erfahrung zeigt, der Stellenwert des „Aufnahme- und Beobachtungsjahres“ als diagnostischer Prozess ergibt sich aus der Chance, dem Kind ein Entwicklungsjahr unter sonderpädagogischer Förderung zu ermöglichen und erst dann eine Empfehlung für seinen weiteren Schulbesuch zu geben.

  • Das heißt auch, die sonderpädagogischen Fördermaßnahmen und sozialpädagogischen Lern- und Arbeitsformen sollen dazu beitragen, dass die Schülerinnen und Schüler trotz behinderungsbedingter Abhängigkeiten zu größtmöglicher Eigenständigkeit finden.
  • Ihre individuellen Entwicklungspotentiale sollen erkannt und genutzt werden, um soziale und praktische Kompetenzen zu erwerben, die ihre Lernfähigkeit im Schulsystem stützen sollen.

3. Personelle Ausstattung bei 33 Schülerwochenstunden


Die Organisation der Lernprozesse auf der Grundlage von Diagnose und individuellen Förderbedürfnissen verlangt nach besonderen Qualifikationen und erhöhter Personalzuweisung durch eine/n Förderschullehrer/in, ein/e Sozialpädagoge/in oder eine/n Erzieher/in und eine Eingliederungshilfe (BFD/FSJ).


4. Mögliche Inhalte und Schwerpunkte der unterrichtlichen Angebote


Förderung:

  • der Wahrnehmung und Motorik durch Psychomotorikkurse, Schwimmunterricht/ Wassergewöhnung, Rhythmik und Hörerziehung, Kunst-, Bastel- und Werkarbeiten, Heilpädagogisches Reiten
  • des Kommunikations- und Sozialverhaltens durch Spiel- und Spracherziehung, Regellernen, Partnerübungen, Morgenkreisgespräche
  • der kognitiven Fähigkeitendurch vorschulische Übungen im mathematischen Bereich zu Mengen, Formen und Farben, Arbeiten mit Zeichen und Symbolen, altersgerecht sachkundliche Themen/Bereiche erkunden
  • der Selbständigkeit durch alltagspraktische Aufgaben wie Ordnungssysteme, Selbstversorgung/Selbsttätigkeit, Einkaufsgänge, Anleitung zur Körperhygiene

5. Zusammenfassung


Das Aufnahme- und Beobachtungsjahr mit seiner sozial- und sonderpädagogischen Förderung und Überprüfung dient dem Recht der Kinder darauf, ihre individuellen Lernmöglichkeiten und Bedürfnisse zu erkennen und dazu, die Eltern zu beraten sowie gemeinsam mit ihnen einen angemessenen Lernort zu finden.

Es kann somit zum Schutz und zur Erkennung ihrer besonderen pädagogischen Bedürfnisse interpretiert bzw. verstanden werden.


Das vollständige Konzept der Aufnahme- und Beobachtungsstufe mit didaktischen und methodischen Überlegungen zu folgenden Schwerpunkten erhalten Sie in unserer Schule:

  • Schriftspracherwerb
  • Mathematischer Bereich
  • Spielerziehung
  • Musik
  • Förderung der Selbständigkeit
  • Psychomotorik
  • Heilpädagogisches Reiten/Voltigieren
  • Wassergewöhnung und Schwimmen
  • Kunst